07.10.2014

Corina und Rasmus

Corina und Rasmus
zwei Menschen mit Behinderung

Corina bekam zu ihrem Geburtstag einen Gutschein für ein Fotoshooting bei mir geschenkt. Sie und ihre Eltern haben sich - wie ich im Nachhinein erfahren habe, riesig darüber gefreut!

Wir haben dann einen Termin ausgemacht, das Shooting sollte im Schlossgarten in Bruchsal stattfinden. Rasmus (mein Stiefsohn) wollte mich zum Shooting begleiten – Corina ist seine Arbeitskollegin und die beiden mögen sich und können sich gut leiden :-) also – war Rasmus mit von der Partie um mich wenn nötig, als Lichtmeister zu unterstützen.

Corina und Rasmus arbeiten beide im Cap Markt in Graben-Neudorf, dort haben sie sich kennengelernt.
In CAP-Supermärkten werden bis zu 50% aller Arbeitsstellen von Menschen mit Behinderung besetzt. Eine wie ich finde, ganz tolle Einrichtung in der Menschen mit Behinderung eine verantwortungsvolle Beschäftigung finden. Dort haben sie das Gefühl ‚gebraucht zu werden’, haben Aufgaben, die ihnen gerecht werden und denen sie gerecht werden können. Hochmotiviert gehen diese jungen Menschen Tag für Tag zur Arbeit und geben ihre 100%.
Sie nehmen Warenlieferungen an, veräumen diese in die Regale, verkaufen Backwaren mit denen sie ein nahegelegener Bäcker beliefert, kümmern sich um MHDs usw. usw. Kurz gesagt, um fast alles, was in einem Superkarkt an Aufgaben anfällt.
Ich kann jedem nur empfehlen, einmal (oder öfter) ;-) in einem CAP Markt einkaufen zu gehen, sich das anzusehen und - mit dem Einkauf dieses vorbildliche Konzept zu unterstützen.
CAP-Supermärkte in unserer Nähe: Graben-Neudorf und Herxheim (Rheinland-Pfalz)

Weitere CapMärkte finden sich in ganz Deutschland!

Nun wieder zurück zum Shooting….
Corina hatte sich schon im Vorfeld mega auf das Shooting gefreut und hatte dann vor Ort so einen riesen Spaß sich vor der Kamera zu bewegen. Sie kam mit schönen eigenen Ideen, wie sie sich in Szene setzen wollte. Ich brauchte eigentlich gar nicht viel zu sagen – Corina wusste genau was sie will und hat einfach getan….. und für mich war es ergreifend und berührend, sie dabei zu begleiten und im Bild festzuhalten.
Irgendwann war dann auch Rasmus angesteckt, der sich sonst nicht unbedingt sooo gerne fotografieren lässt ;-) aber wir alle – Corina, ihre Mutter, Rasmus und ich – hatten bei diesem Shooting so enorm viel Spaß und Freude – es war einfach herrlich!!

Die Fröhlichkeit, Unkompliziertheit, Unbekümmertheit, Ehrlichkeit in den Emotionen dieser beiden Menschen mit Behinderung berührte meine Seele… und wann immer ich mir diese Bilder betrachte, erfüllen sie mich mit Freude…
Ich schreibe hier nur von diesem Nachmittag - mit diesen beiden jungen Menschen, aber ich sehe sie nur als Beispiel für viele viele viele andere…..

Liebe Leute…ich wünschte mir, alle Menschen würden Menschen mit Behinderung – welcher Art auch immer – nicht als ‚anders’ …sondern als etwas Besonderes ansehen und wertschätzen, denn sie sind besonders. Besonders liebenswert….. und voll ansteckender Lebensfreude!

Meinen herzlichen Dank an Corinas Eltern die mir erlaubt haben, die Bilder und die kleine Geschichte drumherum zu veröffentlichen.

Danke auch an Corina und Rasmus für diesen wundervollen Nachmittag! :-)

Liebe Grüße
eure Birgit Walther-Lüers
oder
Biggi von Biggiismus FotoKunst


















Kommentare:

  1. Nicht immer ist es angebracht, zur Eigenwerbung solche Schicksale zu missbrauchen.
    Auch der CAP-Markt ist nur einer von vielen Einrichtungen, die durchaus davon profitieren, Menschen mit Behinderung einzustellen. Das sind immerhin sehr billige Arbeitskräfte. Aber das dürftest du ja wissen.

    Dennoch einen lieben Gruß,
    Karla

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  2. Oh... das kann ich so nicht stehen lassen.

    Wenn man natürlich nur an den schnöden Mammon denkt, dann hat Ihre Aussage sicher ihre Berechtigung.
    Allerdings machen wir ganz andere Erfahrungen.

    In solchen Einrichtungen wie z.B. dem CAP Markt werden Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft integriert!
    Ich persönlich finde das als überaus wichtig und vorbildlich. Natürlich bekommen sie dabei nicht die Masse an Geld,
    aber ist es nicht schön, dass sie überhaupt diese Chance bekommen? Dass sie IHRE Arbeitskraft einsetzen dürfen
    und Anerkennung finden?! Ist das nicht viel besser, als wenn sie zu Hause sitzen und sich 'nutzlos' vorkommen würden?
    Liebe Karla, ich glaube Sie haben keine Vorstellung davon, wie gerne Rasmus (ich kann nur ihn als Beispiel nehmen)
    tagtäglich zur Arbeit geht?

    Zudem empfinde ich es nicht als (böses) Schicksal, wenn ein Mensch mit Behinderung auf die Welt kommt.
    Von ihnen kann man soo viel lernen...! Ich empfinde sie mit ihrem Feingefühl, ihrer Sensibilität und Ehrlichkeit
    als Geschenk!

    Die Lebensfreude dieser beiden Menschen um die es hier geht, zu missbrauchen, wie Sie es ausdrücken,
    liegt mir sowas von fern........ und mit dem CAP Markt habe ich - außer dass dies Rasmus' Arbeitgeber ist,
    nichts am Hut - also von Eigenwerbung kann da wohl keine Rede sein.
    Ich habe diese Einrichtung erwähnt, weil ich dieses Konzept - die Idee die dahinter steckt - richtig richtig gut finde - nämlich
    Menschen, die sonst gerne mal ausgeschlossen oder blöd angeguckt werden, in unsere Gesellschaft zu integrieren!
    Und gerade bin ich mehr und mehr davon überzeugt, dass dies auch im Jahre 2014 anscheinend noch bitternötig ist.

    Meine Motivation die Bilder und diese kleine Geschichte drumherum zu veröffentlichen lag darin, in die Offensive zu gehen...
    in der Hoffnung, manchen Menschen die Augen zu öffnen - zu zeigen, was für tolle Menschen das doch sind. In der Hoffnung,
    dass sie allgemein mehr Anerkennung - in unserer Gesellschaft - erfahren
    (nicht nur in der Familie und am Arbeitsplatz)

    Vielen Dank für Ihren Kommentar,
    ich finde ihn sehr aufschlussreich.
    Viele Grüße
    Birgit Walther-Lüers

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  3. Nun, es wird sehr viel für Menschen mit Behinderung getan, inzwischen mehr sogar als für Menschen ohne Behinderung. Wenn du allerding snur das Blickfenster deiner beiden hier hast, ist das sicher nicht genug. Ich kenne Fälle, die jeden Monat einen Kleinwagen als Fördermittel erhalten, nicht auf die Hand, aber in Fprm von Unterstützungsleidtungen, wo sich Hartz IV-Familien mit 8 Euro mehr im Monat zufrieden geben müssen.
    Es ist längst allen klar, dass es Menschen mit Behinderung nicht an Hilfen und Aufwendungen fehlt.
    Und von bösen Schicksalen hab ich nicht gesprochen. Also bitte genauer lesen.
    Mir ist schon bewusst, dass du deine Sicht und Erfahrung auf die beiden Menschen hier fokussierst. Aber sei mal so flexibel und schau dir die Einrichtungen an in Deutschland, dann wirst du sehen, dass ich nicht so unrecht habe, wie du vorgibst.

    Liebe Grüße, Karla

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  4. Hättest du dich auch so gefreut, wenn du selbst ein Kind mit Behinderung zur Welt gebracht hättest, oder wäre für dich die Abtreibung eine Option gewesen?

    Habe die Diskussion hier ein wenig verfolgt.

    Mit freundlichen Grüßen.
    Hildegard

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  5. Hallo erstmal,
    ich glaube, dass ich auch erstmal meinen Senf dazugeben muss.
    Dieser Post war glaube ich als Ausdruck der Freude beim Shooting, über das Ergebnis und die Dankbarkeit, dass es Einrichtungen wie den CAP-Markt für Menschen mit Behinderung gibt. Als Vater von Rasmus sehe ich das so.
    Über den Sinn oder Unsinn von Hartz IV und die „Ungerechtigkeiten“ des Sozialsystems in unserem Land lässt sich vortrefflich streiten, was in einschlägigen Foren besser aufgehoben ist als hier.


    @Hildegard
    Eine Abtreibung wäre für mich und meine damalige Frau NIEMALS in Frage gekommen. Es war natürlich keine leicht Zeit, als wir damals die vernichtetnden Diagnosen bekamen. Heute bin ich demütig und dankbar, dass Rasmus sich trotz der düstersten Prognosen so entwickelt hat.

    Lieb Grüße ins Wochenende
    Steffen

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  6. Hallo Hildegard,

    ich war schon einmal in der Situation (laut Arzt) 'sehr wahrscheinlich' ein behindertes Kind zur Welt zu bringen und
    nein - eine Abtreibung war für mich definitiv keine Option. Nichtmal eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie gefährlich
    für das Ungeborene sein kann.

    Natürlich hätte ich nicht gejubelt - juhu ich bekomme ein Kind mit Behinderung...
    - jeder wünscht sich ein gesundes Kind - das steht doch außer Frage.
    Und natürlich hat man für ein Kind mit Behinderung eine riesen Verantwortung.
    Dass das nicht immer leicht und nicht immer nur schön ist, ist doch selbstverständlich.

    So flexibel, Karla, auch in Einrichtungen für Menschen mit mehrfach Schwerstbehinderungen zu schauen, bin ich.
    Ich war schon in solchen Einrichtungen und z.B. auch in einer Behindertenwerksattt ...und jedes Mal bin ich
    zutiefst berührt und bewegt nach Hause gegangen. Die Glücksmomente und das Lächeln, die Freude und
    das Feingefühl der Bewohner im Gepäck......

    Dass hier nun Hartz4- Familien als Vergleich (finanziell) mit angeführt werden, verstehe ich ehrlich gesagt nicht.
    Das sind doch meiner Ansicht nach 2 völlig verschiedene Schuhe. Sorry, aber hier geht es nicht um Geld, hier geht es um Seelen.

    Ein Gedicht, das ich vor einigen Jahren geschrieben habe, fiel mir vorhin ein. Es spiegelt meine Sicht der Dinge und passt
    sehr gut zu dem Thema - und vor allen Dingen zu meiner Motivation, diese Bilder von Corina und Rasmus und die kleine
    Geschichte dazu, zu veröffentlichen.

    Besonders besonders [?]

    Ein Kleeblatt etwa
    mit vier Blättern an der Zahl

    Pflanzen
    die besonders sind
    beliebt
    als Talisman geschwind
    -
    Eine Fehlprägung etwa
    schnell begehrtes Sonderstück

    Dinge
    die besonders sind
    erfreuen
    das Sammlerherz geschwind
    -
    Jemand vielleicht
    etwas ab der „Norm“

    Menschen
    die besonders sind
    gemieden
    belächelt
    ausgegrenzt
    vorverurteilt
    von Menschen ganz geschwind
    weil sie ZU besonders sind
    ?
    seltsam


    (c) Birgit Walther-Lüers,10.05.06




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  7. Werter Herr Steffen, neuer Mann der Fotokünstlerin Birgit,

    wer sich öffentlich präsentiert, muss sich kritische Anmerkungen gefallen lassen oder die Kommentarfunktion ausschalten. Da die Kommentierung möglich war, habe ich mir die Freiheit genommen, wie Karla oben, meine Meinung zu äußern.
    Aber dass du für deine Frau in die Bresche springst, mag für dich sprechen. Doch weil diese Bildersammlung nun hier die Diskussion ausgelöst hat, empfand ich es sinnvoll, auch hier meine Frage bzw. Anmerkung loszuwerden. Ich nehme an, so sieht das auch Frau Karla.

    @ Birgit
    Lieben Dank für deine dichterischen Worte, wenn sie auch das Problem nicht ansprechen, sondern sicher die zurecht empfundene Freude darüber, was die Menschen ausstrahlen. Ich kenne auch Menschen mit und ohne Behinderung, meine jetzt aber mit Behinderung, die ihren Helfern nicht nur ein Strahlen entlocken, sondern ihnen mehr zumuten, als man ihnen auf den ersten Blick zutrauen würde.
    Dieses Shooting soll aber wohl nur die netten Seiten zeigen, das tun sie. Also lassen wir das so stehen und setzen uns weiter mit dem Thema nicht auseinander, damit die Schönheit nicht mit Staub belegt wird.
    Danke aber für dein Einlassen auf meine Frage.

    Lieben Gruß, Hildegard

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